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10 Minuten Heimatkunde mit Altbürgermeister Anton Klotz

Haldenwang, den 25. 11. 2022

700 Jahre altes Glöcklein im Haldenwanger Kirchturm

Unbekannte Meister schufen wohl um das Jahr 1300 eine kleine Kirchenglocke, die früher einmal die Menschen der Ortschaft Haldenwang zum Gebet rief und wahrscheinlich auch als Wetter- und Totenglocke diente. Im Schicksalsjahr 1690, als der Dachstuhl des Haldenwanger Kirchturms nach einem Blitzschlag in Flammen aufging, ist das Glöcklein vermutlich abgestürzt, ohne größeren Schaden zu nehmen. Weil aber in den Jahren darauf der Mauerstock des Turmes um 12 Schuh (etwa vier Meter) erhöht und ein Glockenstuhl aus Eichenholz mit neuem Geläut errichtet wurde, fand das ehrwürdige Glöcklein keine Verwendung mehr.

Fortan fristete es auf dem Turmboden ein kümmerliches Dasein. Wohl etwa 230 Jahre später, als 1922 am heutigen Friedhof das Leichenhaus gebaut wurde, überließ die Kirchengemeinde der politischen Gemeinde die ehemalige Wetterglocke zur Ankündigung von Beisetzungen. Doch damit ist die Odyssee des Glöckleins nicht zu Ende. Im Sitzungsprotokoll des Gemeinderats Haldenwang vom 25. September 1956 steht geschrieben: „Die Totenglocke des Leichenhauses, welche vermutlich unter Denkmalschutz steht, ist leider stark beschädigt. Ein Blitzstrahl hat das Glockentürmchen getroffen und in Mitleidenschaft gezogen. Die Glocke befindet sich jetzt wieder im Kirchturm“.

Nach über 60 Jahren ist das ehrwürdige Glöcklein von den gemeindlichen Bauhofchefs Edi Bayrhof und Manfred Maier nun endgültig aus seinem halbdunklen Verließ im Haldenwanger Kirchturm befreit und an Pater Prakash und Altbürgermeister Anton Klotz übergeben worden.

Um das Jahr 1300 ist die Glocke gegossen worden

Gemeindechronist Franz Flach, Hauptlehrer i.R. aus Börwang, verfolgte vor über 50 Jahren in mühsamer Arbeit die lange Geschichte der Glocke und fixierte den Zeitraum der Formung etwa auf das Jahr 1300. Den Namen seines Herstellers trägt das Glöcklein nicht. Doch ist bekannt, dass im Mittelalter Augsburg als ein Zentrum der Glockengießerkunst galt und namhafte Meister die Gießerei als Wandertätigkeit ausübten. Sie arbeiteten wahrscheinlich auch in Haldenwang.

Schulterinschrift mit den Namen der Evangelisten

Die Glocke ähnelt einem Zuckerhut; der innere Schlagrand ist nur wenig abgeschrägt. Ihr Durchmesser beträgt 48,5 Zentimeter, ihre Höhe 37 Zentimeter. Zwar fehlt die Krone, doch den Ansatzspuren nach dürfte sie kleeblattförmig gewesen sein. Die Schulterinschrift in Majuskeln (Urform der lateinischen Schrift) zwischen den dünnen Schnurstegen lautet “+ Lucas – Markus – Matheus – Johannes“. Das Anfangskreuz, jeder Buchstabe und die worttrennenden Punke heben sich von ihrer unregelmäßigen rechteckigen Unterlage ab. Alle „S“ sind seitenverkehrt geformt.

Dass das Alter der Haldenwanger Glocke mit mindestens 700 Jahren zutreffen dürfte, wird durch zwei ebenfalls um das Jahr 1300 gegossene und noch erhaltene Glocken belegt. Die eine befindet sich in Liebenstein bei Sonthofen, die andere in Kicklingen bei Dillingen. Beide gleichen sich u.a. durch das Alphabet als Inschrift, in der steilen Rippe sowie in den geschwungenen Kronenbügeln. Ihnen schließt sich mit leichten Abweichungen in der Schrift unsere Glocke mit den Namen der Evangelisten an.

„Friedensglocke“ in unserer Gemeinde?

700 Jahre teils friedvolle Zeit, aber auch üble Plünderungen und Wirren während schrecklicher Kriege, überstand das Glöcklein. Nachdem das Metall - wie beschrieben - vermutlich durch Absturz Sprünge und ein Schlagloch aufweist, beabsichtigt jetzt Altbürgermeister Klotz, das Glöcklein im Europäischen Glockenzentrum der Hochschule Kempten prüfen und gegebenenfalls reparieren zu lassen. Sollte das gelingen, wäre es gewiss schön, wenn das altehrwürdige Metall in unserer Gemeinde einen Platz als „Friedensglocke“ finden würde.

 

 
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